Effiziente Oasen in der Wüste
Ein Validierungsstudie in Dubai zeigt mehr als 70 % Wasserersparnis durch smarte Bodenaufbauten in Grünanlagen mit bedarfsorientierter Bewässerung und Urbanscape Green Roll Wachstumsmatten.
Die Wassermanagement-Spezialisten von RADIUS aus Dubai haben in Zusammenarbeit mit ihrer lokalen Stadtverwaltung und den Begrünungs-Experten von Knauf Insulation Urbanscape eine sechsmonatige Konzept-Validierungsstudie durchgeführt. Diese sollte die Vorteile mehrschichtiger Bodensysteme mit Urbanscape Green Roll Mineralwolle-Wachstumsmatten in Kombination mit feuchtebasierter Bewässerungssteuerung evaluieren. Beim Feldversuch mit drei rasenbedeckten Vergleichsflächen und verschiedenen Boden-Aufbauvarianten konnten Wassereinsparungen von mehr als 70 % im Vergleich zum klimatischen Wasserbudget erreicht werden.
Grüne Oasen in der Wüste
Anders ist es im Nahen Osten, wo immenser Aufwand betrieben wird, um aufstrebende Regionen mit ausreichenden Mengen an Süßwasser zu versorgen. Ein prominentes Beispiel für Gebiete mit enormem Wasserbedarf sind die Vereinigten Arabischen Emirate. Konsequente Abwasseraufbereitung ist einer der Wege, der es den Emiraten ermöglicht hat, die eigentlich lebensfeindliche Wüste zu erobern, boomende Städte zu errichten und fruchtbare Oasen anzulegen. Genau hier, mitten in Dubai, der Hauptstadt des gleichnamigen Emirats, haben das ortsansässige Unternehmen RADIUS und Knauf Insulation einen Feldversuch unter Extrembedingungen durchgeführt, um Konzepte zu prüfen, die die Bewässerung von Grünanlagen um mindestens 50 % effizienter gestalten sollen – bei einem gleichbleibenden, gesunden Zustand der Grünanlagen.
Feldversuch im Naherholungsgebiet
Parks mit angelegten Seen und Grünflächen, die dazu einladen, die Freizeit im Freien zu verbringen, sind in Dubai mittlerweile in nahezu allen Stadtteilen zu finden. Einer davon – der Al Barsha South Park im Süden der Stadt – konnte dank der Unterstützung der Stadtverwaltung für die Konzept-Validierungsstudie umgebaut und mit Versuchsfeldern ausgestattet werden. Die Vegetation des Al Barsha South Park, die mit aufbereitetem Abwasser (Treated Sewage Effluent – TSE) versorgt wird, gerät in den Sommermonaten nicht selten aufgrund von TSE-Knappheit unter Druck. Das machte den Park zum idealen Schauplatz des Versuchs.

Smarte Flächen
Innerhalb des Parks legten RADIUS und Knauf Insulation insgesamt drei je rund 100 m² große Versuchsfelder (Feld A, B und C) mit unterschiedlichem Bodenaufbau an und statteten diese mit moderner Mess- und Bewässerungstechnik aus. Alle drei Flächen verfügten zuoberst über eine 15 cm starke Vegetationsschicht mit Kulturboden („Sweet Soil“) und Rollrasen. Die Felder A und B wurden außerdem mit 4 cm dünnen Mineralwolle-Wachstumsmatten (Urbanscape Green Roll) unterhalb der Vegetationsschicht ausgestattet. Bei Feld A wurde außerdem unter der Mineralwolle-Schicht eine wasserundurchlässige Membran verlegt. Feld C diente als Kontrollfeld, bei dem der Kulturboden mit Rollrasen ohne zusätzliche Funktionsschicht auf dem sandigen Grund lag.
Um die Daten des Versuchs objektiv zu erfassen und die Bewässerung der Flächen bedarfsorientiert zu steuern, kam modernste Sensortechnik von Baseline (USA) zum Einsatz. In jedem der drei Felder wurden Bodenfeuchtesensoren in Tiefen von 10, 15 und 30 cm installiert. Diese lieferten Echtzeitdaten über die Bodenfeuchte direkt aus der Wurzelzone und ermöglichten so eine präzise, datenbasierte Steuerung der Bewässerung. Außerdem konnten durch die Sensorik sowohl der Weg des Wassers innerhalb der einzelnen Bodenschichten als auch die Auswirkungen der Wachstumsmatten unter der Vegetationsschicht detailliert nachvollzogen werden.

Erwartungen übertroffen
Von Juli bis Dezember 2025 wurden die Versuchsflächen im Park genau beobachtet. Sichtkontrollen und wöchentliche Bilddokumentationen stellten sicher, dass die sich abzeichnenden, sehr unterschiedlichen Bewässerungsmengen der Felder nicht zu Einbußen in puncto Vitalität oder Gleichmäßigkeit des Rasens führten – vor allem nicht im unerbittlichen Hochsommer in Dubai, in dem Lufttemperaturen jenseits der 40 °C eher die Regel als die Ausnahme sind. Dies war neben der Reduktion des Wasserbedarfs um 50 % eines der Hauptziele der Konzept-Validierungsstudie im Al Barsha South Park.
Die Auswertung der Messdaten zur Bewässerung nach sechs Monaten übertraf die Erwartungen des Teams sogar: Allein die intelligente, feuchtebasierte Bewässerungssteuerung (Feld C) realisierte rund 37 % Einsparung gegenüber dem sogenannten klimatischen Wasserbudget – also der errechneten Wassermenge, die nötig wäre, um die potenzielle Verdunstung von Feuchtigkeit auf der Fläche in dieser klimatischen Zone für ein gesundes Pflanzenwachstum auszugleichen.
Enorme Einsparung durch Mineralwolle-Wachstumsmatten
Noch beeindruckender fielen die Ergebnisse der Felder A und B aus: Durch die zusätzlichen Wachstumsmatten konnte das Wasserbedarfsverhalten der Felder so grundlegend verändert werden, dass die Einsparungen auf über 70 % anstiegen. Während auf dem Versuchsfeld C 102,59 m³ Wasser (gegenüber dem klimatischen Wasserbudget von 162 m³) eingesetzt werden mussten, um die Vegetation zu erhalten, benötigten die Felder A und B mit Mineralwolle-Matten lediglich 45,78 m³ (Wachstumsmatte ohne Membran) und 43,89 m³ (Wachstumsmatte mit Membran). Die Auswertung der Verbrauchsprofile zeigte zudem, dass saisonale Schwankungen bei der Reduktion keine Rolle spielten. Die Einsparungen waren struktureller Natur und blieben sowohl in der extremen Sommerhitze als auch in der milderen Übergangszeit stabil.

Wasserreservoir unter der Wurzel
Der buchstäblich zugrundeliegende Effekt der Mineralwolle-Wachstumsmatte lässt sich vereinfacht wie folgt beschreiben: Wasser, das durch den bewachsenen Kulturboden dringt und nicht direkt aufgenommen werden kann, sickert in die Green Roll, die weniger dicht ist als die darüber- und darunterliegenden Schichten. Hier versickert es nicht weiter, verteilt sich und wird gespeichert – ähnlich wie in einem Schwamm. Bei Verdunstung an der Oberfläche entsteht eine Sogwirkung (Kapillareffekt) und die Wurzeln können das Wasser aus der Wachstumsmatte ziehen. Die gespeicherten Wassermengen innerhalb der Mineralwolle-Schicht sind dabei beachtlich: Eine Urbanscape Green Roll mit einem Eigengewicht von etwa 4 kg/m² kann rund 30 l Wasser/m² aufnehmen.
Ein skalierbares Modell für die Zukunft
Das Fazit des Feldversuchs ist eindeutig: Die Kombination aus smarter Bewässerungssteuerung und einem intelligenten Bodenaufbau kann in anspruchsvollen, wasserarmen Umgebungen enorme Effizienzvorteile bringen. Außerdem kann eine Wachstumsmatte aus Mineralwolle den Wasserbedarf auch ohne Messtechnik und smarte Bewässerungslösungen erheblich verringern. Die Skalierung der Lösung auf großflächige Grünanlagen ist problemlos möglich und kann die Lage in wasserarmen Umgebungen, die auf aufbereitetes Abwasser (TSE) angewiesen sind, deutlich entspannen. Doch nicht nur dort: Auch in der gemäßigten Klimazone kann der Bewässerungsaufwand mit einem intelligenten Bodenaufbau reduziert werden. Gleichzeitig bietet die hohe Speicherkapazität der Mineralwolle-Matten auch Potenzial, bei Starkregenereignissen als Puffer zu wirken, die Versickerung zu steuern und lokalen Überschwemmungen entgegenzuwirken. Ein Aspekt, der auch in Zentraleuropa aufgrund der Klimaveränderungen zunehmend an Bedeutung gewinnt.
