Die Bedeutung von Leichtbau in Gründachsystemen : Vergleich verschiedener Dachbegrünungslösungen
Die Frühlings- und Sommerzeit ist ideal zum Reisen. Wenn Sie in Österreich Halt machen, sollten Sie das attraktive begrünte Kunst Haus in Wien nicht verpassen. Dieses beeindruckende Gebäude zieht mit seiner üppigen Vegetation und der frischen Luft, die von den Pflanzen ausgeht, alle Blicke auf sich. Die Begrünung ist erfolgreich in die Gebäudehülle integriert und vermittelt ein angenehmes Naturerlebnis mitten in der Stadt. Die Wiener Stadtplaner sind sich dessen bewusst: Mehr Grün bedeutet eine höhere Lebensqualität für die Bewohner urbaner Räume.
Bild 1: Grünes Kunsthaus in Wien (source)
Leichtes extensives versus semi-intensives und intensives Gründachsystem
Viele Gebäude sind jedoch aufgrund statischer Grenzen nicht für hohe Zusatzlasten geeignet. Wissen Sie, wie viel ein Big Bag (ein Kubikmeter) Dachsubstrat wiegt? Das Gewicht kann leicht 800 kg pro Sack oder mehr erreichen. Man kann sich vorstellen, wie viele dieser Säcke auf ein Dach transportiert werden müssen, um einen Dachgarten mit Sträuchern, Bäumen, Stauden und Blumen anzulegen.

PBild 2: Intensive Dachbegrünung: Anlieferung des Substrats (source)
Neben begrenzten infrastrukturellen Möglichkeiten in Städten (z. B. stark frequentierte Straßen, Verkehrsbeschränkungen), der Verfügbarkeit geeigneter Hebe- und Transportgeräte sowie behördlicher Genehmigungen sind zahlreiche Fachkräfte, Zeit und Budget erforderlich. Außerdem muss die Installation häufig an eine geeignete Jahreszeit angepasst werden. Demgegenüber ist die Installation eines leichten Gründachsystems logistisch wesentlich flexibler und auch hinsichtlich des Installationszeitpunkts weniger eingeschränkt. Hier sehen Sie den leichten Urbanscape-Installationsprozess.
Die Möglichkeiten für üppige Vegetation auf Dächern können also begrenzt sein – doch das bedeutet nicht, dass man in einer grauen Betonlandschaft leben muss. Es gibt zahlreiche Optionen für leichtere Gründachsysteme, die sowohl bei Neubauten als auch bei Sanierungen über viele Jahre hinweg Freude bereiten.
Die Lasten-Herausforderung
Wie bereits von Luckett (2009) beschrieben, muss bei öffentlich zugänglichen Dachgärten sichergestellt werden, dass die Dachkonstruktion die erforderliche Tragfähigkeit für eine solche Nutzung besitzt. Dazu müssen die geltenden Bauvorschriften sowie die Anforderungen an Nutz- und Eigenlasten berücksichtigt werden. Das Gründachsystem selbst – inklusive Vegetation und der für die Sättigung des Substrats erforderlichen Wassermenge – stellt eine Eigenlast dar. Zusätzliche Lasten wie Regenwasserüberschuss, Schnee oder Personen gelten als Nutzlasten. Daher ist es wichtig, frühzeitig festzulegen, ob ein Dach öffentlich zugänglich sein soll, welche Vegetation vorgesehen ist und welche Substrattiefe (und damit welches Gewicht) erforderlich ist.

Bild 3: Schema und allgemeine Merkmale verschiedener Dachbegrünungssysteme (Ujma, 2023).
Bei Neubauten ist die Berücksichtigung eines öffentlich zugänglichen intensiven Gründachs bereits in der Planungsphase am wirtschaftlichsten. Bei Bestandsgebäuden ist die nachträgliche statische Ertüchtigung deutlich aufwendiger und kostenintensiver. Deshalb werden bei Sanierungen intensive Begrünungen häufig aufgrund unzureichender Tragfähigkeit oder hoher Kosten verworfen.
Die Eigenlast kann durch den Einsatz von Bewässerungssystemen und geringere Substrattiefe reduziert werden. Eine Reduzierung der Nutzlast kann bedeuten, auf öffentliche Zugänglichkeit zu verzichten und stattdessen ein einfacheres extensives Gründach zu planen.
Ist das Gründach nicht öffentlich zugänglich, sind die Anforderungen an die Nutzlast weniger komplex. Zunächst werden die lokalen Bauvorschriften geprüft, anschließend das gesättigte Gewicht des Systems berechnet oder beim Anbieter erfragt. In der Regel ist die Eigenlast gleichmäßig verteilt. Werden jedoch größere Pflanzgefäße oder tiefere Substratschichten eingesetzt, müssen diese zusätzlichen Lasten berücksichtigt werden.
Fallstudie – Industrieanlage in Spanien
Leichte Gründachsysteme sind vielseitig einsetzbar und lassen sich einfacher auf unterschiedlichen Gebäudetypen realisieren. Sie sind daher eine praktikable Lösung für viele urbane Anwendungen.

Bild 4: Urbanscape Premium High-System auf einem Metalldach in Spanien
Durch ihre Fähigkeit, Regenwasser zurückzuhalten, die Luftqualität zu verbessern und die Energieeffizienz von Gebäuden zu steigern – ohne größere statische Anpassungen – stellen sie eine nachhaltige Option dar. Bei einer Produktionsanlage in Spanien bestand die Herausforderung in begrenzter Tragfähigkeit eines Metalldachs mit großen Spannweiten. Klassische, schwere Gründachsysteme mit ausreichender Regenwasserrückhaltung konnten nicht eingesetzt werden.
Das leichte Urbanscape-Gründachsystem bietet eine hohe Wasserspeicherkapazität von bis zu 45 l/m², bei einem Gewicht von nur ca. 70 kg/m². Damit ist es etwa halb so schwer wie traditionelle Systeme mit vergleichbarer Leistung. Insgesamt können bis zu 60 % des jährlichen Niederschlags zurückgehalten werden.
Aus Grau wird Grün
Das Urbanscape-Gründachsystem basiert auf einer einzigartigen Substratalternative aus Steinwolle, die eine hohe Wasserspeicherfähigkeit bei gleichzeitig geringem Gewicht bietet. Vorgezogene Vegetationsmatten sorgen für eine sofortige Begrünung und werden auf einem leichten, multifunktionalen Substrat mit hoher Wasserspeicherung verlegt – dem Urbanscape Green Roll.
Die technischen Kenndaten von Urbanscape (einschließlich des Gewichts) sowie der ökologische Fußabdruck sind in der Umweltproduktdeklaration (EPD) des Urbanscape-Gründachsystems offengelegt (siehe Tabelle unten).
| Parameter | Value | Unit |
| Water storage capacity | 37 | Vol. % |
| System sound absorption (EN ISO 10140-1 / EN ISO 10140-2) | 57 | dB |
| System height | 100 | mm |
| System weight (saturated) | 57,55 | kg/m² |
| System weight (unsaturated / dry) | 20,55 | kg/m² |
| Maximum water retention capacity | 37 | l/m² |
| pH value of growing media (CaCl₂) | 7,5 | - |
| Fire resistance class of growing media (EN 13501-1) | A1 | - |
| Salt content of growing media (KCl) | 0,03 | g/l |
Tabelle 1: Technische Kenndaten des Urbanscape-Gründachsystems (EPD, 2022).
Hauptvorteile von Urbanscape
- Leichtgewicht: Geeignet für eine breite Palette von Gebäuden, auch mit begrenzter Tragfähigkeit.
- Hohe Wasserrückhaltung: Effizientes Regenwassermanagement und Reduzierung von Abflussmengen.
- Wärmedämmung: Verbesserte Energieeffizienz durch geringeren Heiz- und Kühlbedarf.
- Biodiversität: Fördert Pflanzenvielfalt, unterstützt Bestäuber und verbessert das Stadtklima.
Vergleich mit anderen Gründachsystemen
Viele Gründachsysteme bieten ähnliche Vorteile. Das geringe Gewicht und die hohe Wasserspeicherkapazität von Urbanscape machen das System jedoch besonders geeignet für urbane Anwendungen, bei denen Traglast und Regenwassermanagement entscheidend sind.
Die einfache Installation und die sofortige Begrünung heben es zusätzlich von traditionellen, schwereren Systemen ab.
Möchten Sie mehr Details dazu, wie Sie dieses System in Ihrem Projekt umsetzen können? Sehen Sie sich unsere Tools und Dokumente an:
Literatur:
Luckett, K., 2009. Green roof construction and maintenance. McGraw - Hills GreenSource Books.
Ujma, A., 2023. Prospect for creating surfaces with vegetations on buildings in Pola. Environmental safety and natural resources. 2023.

